Archiv | Buddhismus RSS for this section

Mara AG – Teil 4

Auf den nächsten Termin mit Frau Raga werde ich in einen Lift geleitet, welcher weit nach unten fährt.

Als sich die Tür öffnet meine ich mich in einem Bild, einer Paradiesvorstellung  zu befinden. Schöne Musik, spärlich bekleidete Menschen die alle Models sein könnten, herrliche Düfte und verführerische Speisen sehe ich.

Ich werde in das Büro geführt – und wow – diese Tochter Maras sieht verdammt gut aus.

I: Guten >Tag

R: Ich freue mich Sie endlich bei mir begrüßen zu dürfen. Sie haben ja schon einen langen Tag hinter sich. Darf ich Ihnen etwas anbieten, ein Getränk oder eine schmackhafte Stärkung.

I: Gerne – einen Kaffee und ein Sandwich bitte (wohlwissend dass ich ja mit einer Aufgabe hier bin)

R: Was wollen Sie gerne von mir wissen, wonach steht Ihnen?

I: Ich würde gerne ganz klassisch geschäftlich einsteigen: Können Sie mir Ihren Geschäftsbereich der Mara AG etwas näher beschreiben?

R: Gerne. Also ich bin für alles verantwortlich, was den Menschen Freude bereitet. Ich bin ja eigentlich die Samariterin im Unternehmen (grinst). Ich und meine Mitarbeiter sorgen dafür dass die Sinne der Menschen erfreut werden und sie so zufrieden bleiben und nicht in anderen, nicht so netten Gebieten wühlen müssen.

I: Ich habe oft gehört, daß Ihr Geschäft der schmutzigere Bereich ist, daß Sie der Boss des ganzen Sex- und Pornogeschäfts sind?

R: Ich glaube ich muss besser an meinem Marketing arbeiten. Ja auch in dem Business sind wir aktiv – aber das ist nur ein kleiner Bereich unserer Tätigkeiten.

I: Können Sie mir das etwas näher erklären?

R: Wir sind ein multidimensionales Unternehmen – die Menschen haben mehrere Sinne und alle davon wollen wir ansprechen um die Customer Satisfaction zu steigern.

I: Durch welche Maßnahmen?

R: Nehmen Sie beispielsweise den Sehsinn: Wie viele unserer Kunden erfreuen sich etwas schönes zu sehen, sie ergötzen sich daran und drängen danach neues und wunderbares zu sehen. Also bieten wir da viel an.

I: Ich verstehe – darum betreiben Sie Fernsehsender, Websites u. Ä.?

R: Nicht nur – damit erreichen wir ja nur ein kleines Segment. Alles was Ihr Menschen seht haben wir mit diesem Potential versehen daran Lust zu empfinden – egal ob es ein Film, ein gemälde, die Natur oder etwas ganz anderes ist. Wir sind schon weit darüber hinaus einzelne Kanäle für die Lust zu entwickeln sondern haben diese Möglichkeit überall eingebaut. Das hat unser Geschäft revolutioniert.

I: Beeindruckend. Das heißt auf die weiteren Sinne bezogen dass Sie nichts mehr explizit zum Lustgewinn in die Wege leiten sondern das direkt integrieren?

R: Ja – auf diese Weise haben wir kein Problem die Menschen zur Lust zu bringen – sie können uns gar nicht abspringen (lacht)

I: Aber ein paar Menschen müssten Ihnen doch entkommen – ich denke an die Meditierenden?

R: Denken Sie mal – wir haben das Lustpotential ÜBERALL eingebaut (lächelt süffisant), auch da und überhaupt in den Religionen. So sind es wirklich nur ganz wenige wie diese Arahats die auch dem widerstehen. Mit diesem kleinen Prozentsatz kann ich gut leben.

I: Um noch mal auf das Anfangsthema zu kommen: Wie steht es jetzt mit dem Sex?

R: Ja – Sie gefallen mir auch sehr gut, wollen wir nicht ein wenig Spaß haben statt so ein fades Interview zu führen?

I: Nein so war das nicht gemeint !!!

R: Sie haben also mehr Lust auf ein Gespräch, na gut

I: Also…

R: Wissen Sie – auch wenn wir Lust überall eingebaut haben so betreiben wir auch Forschung. Wir müssen ja immer am Puls der Zeit bleiben. Darum haben wir den ein oder anderen Vrsuchsbereich.

I: Und die Sexindustrie ist einer davon?

R: Ja hier können wir gut studieren wie die Menschen so funktionieren!

I: Wirklich nur Forschung?

R: Das Interview dauert ja schon lange. Haben Sie noch Hunger, kann ich Ihnen etwas anbieten odr gibt es etwas anderes….?

I: Nein danke; ich hatte Sie zum Sex befragt.

R: Stimmt – Sex ist auch eine Notmaßnahme, wenn unsere Standardprodukte nicht funktioniert haben.

I: Wie läuft das ab?

R: Also wenn ein mensch all unseren Angeboten widersteht haben wir immer noch unsere speziellen Mitarbeiter. Glauben Sie mir – auf die eine oder andere Sex-Variante fährt jeder und jede ab, egal wie gesetzt sie schon sind.

I: Und das funktioniert immer?

R: Beinahe. Früher haben wir das noch selbst gemacht, aber da war die Ausbildung noch mangelhaft. ich bin ja an diesem Buddha gescheitert – der wollte einfach nicht, und mein Vater ist an einer einfachen Nonnen gescheitert, die war nicht mal für einen unverbindlichen Quicky zu haben. Aber seither haben wir das perfektioniert..

I: Ich danke Ihnen für das Gespräch aber nun muss ich echt weiter zu meinem nächsten Termin.

R: Wenn das jetzt Ihr Wunsch ist, dann Auf Widersehen und noch viel Freude

Der Vorraum von Ragas Büro sieht aus wie der Set eines schmutzigen Films und ich muß mich zwischen all den nackten Menschen durchdrängeln. Ich sehe Männer, Frauen und verschiedenes dazwischen, jung, alt, groß und klein. Alle versuchen mich zu sich zu ziehen.

Mit einem Seufzer der Erleichterung steige ich in den Lift ein und fahre wieder zum Empfang.

… Fortsetzung folgt …

Advertisements

Mara AG – Teil 3

Fortsetzung der Geschichte: Mara AG

Nun warte ich bereits eine geschlagene Stunde am Empfang auf Frau Arati. Irgendwie scheinen wir nicht angekündigt zu sein. Aber was solls – ich habe ja Zeit – es ist wiedereinmal hilfreich sich auf des Hier & jetzt zu besinnen – nach all den Erlebnissen bisher.

Zwei weitere Stunden später werde ich von einem gelangweilt gähnenden Assistenten abgeholt. Er meint dass Frau Arati eigentlich schon dabei ist die Firma zu verlassen, aber wenn ich möchten können wir unser Gespräch noch in der Cafeteria führen. Na klar, und ob ich will, also folge ich dem jungen Herren.

Im Cafe sehe ich eigentlich niemanden und denke schon, dass die Frau vielleicht gar nicht mehr anwesend ist. Das Cafe scheint mir überhaupt menschenleer bis auf eine verwahrlost wirkende, ältere Frau. Aber halt – auf genau diese steuert der junge Mann zu und stellt sie uns als Arati vor.

I: Guten tag Frau Arati, wir freuen uns dass wir das Gespräch nun doch noch geschafft haben.

A: Na ja – irgendwie bin ich den ganzen Rummel um mich müde, aber was solls – reden wir, sonst ist mein alter Herr wieder sauer auf mich.

I: Ihr Assistent meinte sie würden hier einen Kaffee trinken – dürfen wir Sie auf einen einladen?

A: Ich weiß nicht so recht, eigentlich mag ich keinen Kaffee oder etwas anderes, nein eigentlich brauche ich nichts.

I: Können Sie uns ein wenig beschreiben was Ihr Aufgabengebiet in diesem Unternehmen ist?

A (lächelnd): Ach das kann ich. Meine Aufgabe ist doch die wichtigste in diesem Unternehmen. Wenn meine zwei Schwestern wiedermal versagt haben und unseren Kunden keine schöne Alternativen anbieten können, dann muss ich retten was zu retten ist. Bevor die Menschen auf die Idee kommen spirituell etwas zu tun sind meine Profis da. Wir stellen den Menschen, die etwas mit sich tun wollen deutlich dar, wie schwer das alles ist und wie schwach sie doch sind. je nachdem wie stark die Leute sind müssen wir auch schwere Geschütze auffahren um ihnen die Lust an Meditation und Erkenntnis (schüttelt sich angewidert) zu vermiesen. So weit lassen wir es aber nicht kommen.

I: Das klingt ja nach einem großen und bedeutenden Aufgabenbereich. Können Sie uns da mehr aus der Praxis erzählen ohne Ihre Geschäftsgeheimnisse zu verletzen?

A: Na versuchen wir es (gähnt). Wichtig ist hier natürlich die PR-Arbeit, die ist der Kern unserer Aufgaben. Wir nutzen alle verfügbaren Kommunikationskanäle um unsere Nachricht an die Menschen zu bekommen. In Presse, Radio und Fernsehen achten wir darauf den Menschen die sich spirituell entwickeln wollen die Idee auszureden, sei es sie einzulullen oder auch ihnen ihre Schwäche aufzuzeigen. Wir müssen schließlich die Menschen vor sich selbst schützuen.

I: Und wie sieht es mit anderen Medien aus?

A: Ja das Buchgeschäft ist ein sehr dankbarer Zweig. Da haben wir gleich Nägel mit Köpfen gemacht. Wir beschäftigen eine ganze Reihe sehr guter Autoren, die unter Pseudonym ganz wunderbare Werke in unserem Sinn verfassen.

I: Nutzen Sie auch die neuen Medien für Ihre Zwecke.

A (grinst): Wie kommen Sie darauf? Wir denken doch viel weiter – vergessen Sie nicht, wir mögen zwar alt sein – sind aber immer noch agil und flexibel. Wir haben es zwar nicht selbst entwickelt, aber dem Einen oder Anderen haben wir kräftig unter die Arme gegriffen. Aber wir möchten die Marc´s und Eric´s doch im Glauben lassen sie hätten es ganz alleine geschafft.

I: Ich sehe schon – Ihre PR-Abteilung ist ja bestens aufgestellt. Aber nicht alle Menschen hören auf die Medien?

A: Ja – leider. Das sind jene Kunden wo wir Stufe 2 brauchen, da wird es schon aufwändiger (verdreht die Augen) und teurer.

I: Können SIe uns mehr zu Stufe 2 sagen?

A: Eigentlich nicht. Aber nachdem Sie uns aufgefunden haben ist es vermutlich bereits egal.  Also – da haben wir unsere Agents; sie gehen in die direkte Kommunikation mit unseren Kunden.

I: Wie geht das, senden Sie eine Email, rufen Sie an?

A: So plump nicht. Sie kennen doch die kleine Stimme in Ihrem Kopf die von Dingen abrät, sagt dass sie das Vorhaben nicht schaffen – nun das ist unser Agent.

I: Eine sehr perfide Lösung – zugegeben. Aber es gibt ja auch Menschen die diese Stimme ignorieren?

A (beginnt agiler zu werden): Ja diese Querulanten ruinieren mir das Geschäft. An die kommt man nicht mehr ran… Aber auch für diese Menschen habe ich mir was Gutes einfallen lassen … Wenn diese Menschlein schon unbedingt spirituelles machen wollen, dann sorge ich dafür dass sie wieder bei uns landen. Wir sponsoren schöne Gruppen und Organisationen, die sicherstellen dass Ihr in unserer Hand bleibt oder nach einiger Zeit merkt dass dieses spirituelle Zeug nichts bringt.

I: Ich bin echt beeindruckt!

A: Weil ich gerade in so guter Laune bin. Ich habe ja gehört Sie sind Anhänger dieses Gotama. Sebst das haben wir schon unterwandert und unsere Leute platziert, sie werden sehen mit etwas Geduld ist auch diese Lücke bald geschlossen.

I: (sprachlos)

A: Danke für Ihren Besuch. Wenn Sie mal dran denken ein wenig lehren zu wollen (gibt uns ihre Visitenkarte) dann lassen Sie es mich wissen..

In meinem Entsetzen habe ich gar nicht bemerkt, dass Frau Arati nicht mehr da ist. Nachdenklich gehe ich wieder zum Empfang um zu sehen wie es nun weitergeht.

Fortsetzung folgt…

Mara AG – Teil 2

Fortsetzung der Geschichte: Mara AG mit einem Interview von Herrn Mara (M)

I: Guten Morgen Herr Mara. Vorab gleichmal Gratulation – Sie haben sich ja enorm jugendlich und frisch erhalten, schließlich haben Sie ja schon ein gewisses Alter erreicht.

M: Danke und guten Morgen. Mein frischer Teint – ja der stammt aus einem unserer neuesten Geschäftszweige. Wir sind massiv in den Wellness-Bereich eingestiegen. Alles für den Körper, für Jugend und Frische. Sehen Sie mich nur an. Wollen Sie nicht auch ein wenig unsere Annehmlichkeiten genießen. Ich lade Sie auf ein paar Tage ein.

I. nein danke, eigentlich bin ich hier weil ich mit Ihnen sprechen möchte.

M: (unterbricht): Ja lassen Sie uns weiterplaudern; Woher kommen Sie?

I: Aus Österreich

M: Ach ja – in Mitteleuropa läuft unser Wellnessgeschäft ja wirklich wunderbar. Die Menschen bauen mir da sogar wunderbare Tempelanlagen (lächelt) welche jene dieses Siddharta in Fläche und Prunk doch locker übertrumpfen.

I: Danke für den Einblick ins aktuelle Geschäft, aber für den Anfang würde mich einmal interessieren wie Ihre letzten 3000 Jahre verlaufen sind – man hat ja lange nichts mehr gehört seit Ihrer Niederlage gegen den Buddha.

M (erregt): Ja dieser Besserwisse – er hat wohl damals geglaubt ich sei endgültig geschlagen. Na ja aber es gab ja noch immer genug Menschen die mir zuhörten (grinst). Lange zeit hindurch wurde ja immer das gemacht was ich wollte – haben Sie das nicht gesehen?

I: Da wären wir schon bei einem großen Thema. Um Ihren Einfluss und Ihre Tätigkeiten ranken sich ja eine Reihe an legenden, Mythen und Halbwarheiten.

M (stolzes Lächeln): Ach – was denn zum Beispiel?

I: Wenn man die Menschen so fragt stehen Sie hinter dem Tsunami, 9/11, den Kriegen und Terror auf der Welt um nur ein paar zu nennen.

M: Halten Sie mich und meine Töchter doch nicht für so plump. Das was dieser Osama beispielsweise gemacht hat widerspricht doch völlig den Zielen unseres Unternehmens!

I: Inwiefern?

M: Wir wollen die Menschen ja an uns binden, an den lauf der Welten. So lange es geht sollen sie in unserem Machtbereich sein. Aber dafür brauchen wir eine Menschheit die existiert. Wenn sie sich ausrottet, dann ist ja unsere Geschäftsgrundlage weg. Nein (sichtlich erregt) diese anderen Stümper ruinieren mir alles, was ich so schön aufgebaut habe.

I: Aha – sehe. Auf welche Art und Weise gehen also Sie nun Ihren Geschäften nach?

M: Sehen Sie – wir haben eine ganz klare Geschäftsphilosophie. Unsere Kunden – die Menschen müssen glauben, dass die Dinge die wir ihnen bringen sie glücklich machen. Dass das nicht so ist hat ja schon der Shakyamuni erklärt und damit meinen Business-Plan gefährdet, aber die Leute haben es bis heute nicht wirklich verstanden (grinst) also brauchen sie immer mehr und mehr von uns (lacht lauthals) – und sie wissen gar nicht wie sehr sie uns brauchen!

I: Clever-Clever. Der Slogan erinnert mich an einen Film, den Herrn der Ringe – der eine Ring…

M (gelassen): Ja der Tolkien hätte gutes Marketing für uns machen können – aber leider wurden wir uns nicht über die Vertragsbedingungen einig. Zu schade. Aber wenigstens seine Bücher durfte unser Filmstudio verfilmen…

I: Nachdem Sie uns schon zuvor erklärt haben was Ihr Konzern nicht tut Herr Mara würde ich Sie nun gerne bitten uns den Umfang Ihres Geschäfts zu skizzieren.

M: Gerne, so viel Interesse an meiner Tätigkeit gabs ja schon Jahrhunderte nicht mehr. Also meine Wenigkeit hat sich aus dem Tagesgeschäft schon weit zurückgezogen. Ich beschäftige mich nur noch mit Innovationen und neuen Strategien. Sehen sie (nimmt ein Smartphone) – war doch ein durchschlagender Erfolg – oder?
Das Tagesgeschäft haben meine drei wunderbaren Mädels Raga, Arati und Tanha übernommen. Ich glaube die werden sie mehr interessieren, darum habe ich ihnen gleich einen Termin gemacht. Ich habe nun zu tun – Sie wissen ja – das Böse ist immer und überall (grinst über das ganze Gesicht).
Wenn Sie mit meinen Töchtern gesprochen haben schauen Sie bitte noch auch einen Sprung zu mir vorbei, damit wir den Interviewtag mit einem Drink beschließen können.

Fortsetzung folgt…

buddhistische Segnung & Namensgebung

Diesen Samstag durfte ich gemeinsam mit meiner Lehrerin, Ursula Lyon eine Zeremonie zur Segnung und Namensgebung eines Kindes durchführen. Es war eine sehr schöne und Intime Zeremonie. Ich fand es wunderbar, dass die Zeremonie nicht so strikt und vorgegeben durchgezogen werden konnte sondern der Spontanität, den Ideen und den Bedürfnissen von Kindern folgen musste.

Klar – dass für ein zweijähriges Kind nicht wirklich einsichtig ist warum man jetzt mit den Erwachsenen ruhig sitzen soll und sich irgendwelches Gerede anhören soll, wo man doch mit Papa oder den anderen Kindern rumtollen kann. Aber genau so soll es sein – es geht ja schließlich um das Kind und nicht um eine formelle Zeremonie.

Was mich aber sehr berührt hat war dann der Moment der Segnung selbst. Vorher (und auch nachher) war das Kind ein Wirbelwind – aber bei der Segnung selbst war sie ganz ruhig und ergriffen. Ich war echt beeindruckt mit welcher Intensität die Kleine ihren Segen und spirituellen Namen empfangen hat.

Ich bin mir sicher sie wird einen guten Weg gehen!

Vorhersage (Prediction) der zukünftigen Realität per Modell – ist das legitim?

Ein großer Aufgabenbereich der Data Science sind Prediction Queries, also die Idee mit einem technischen Modell, mit Algorithmen und Big-Data Technologien die Zukunft vorherzusagen.

Ist es legitim mit Modellen verlässlichen Aussagen über die Zukunft zu treffen?

Das ist eine sehr philosophische Frage, welche ich aus der Basis der buddhistischen Philosophie als Startpunkt einer Diskussion adressieren möchte.

In einer ersten Überlegung würde ich sagen: Nein – Warum?

In der Lehre Buddhas geht man davon aus, daß man (bewußt) nur im Hier und Jetzt leben kann. Die Vergangenheit ist bereits vorüber (manche sagen tot) und die Zukunft ist noch nicht entschieden. Die Zukunft ist zum jetzigen Zeitpunkt völlig ungewiss. So ist es aus dieser Überlegung heraus nicht statthaft, zu glauben mit Wissen aus der Vergangenheit die Zukunft abschätzen zu können.

Eine weitere Einschränkung liegt darin, dass wir versuchen die zukünftige Realität mit einem abstrakten mathematisch-statistischen Modell zu beschreiben und abzuschätzen. Auch das sehe ich als massive Einschränkung dieses Vorhabens.

Wie Sie richtig vermuten gibt es aber auch zustimmende Überlegungen, da der Eintrag sonst bereits an dieser Stelle zu Ende wäre.

Zuerst einmal die Replik auf die Variabilität der Zukunft: Ja, es stimmt – sie ist offen und kann bzw. wird sich jederzeit ändern. Aus den vielen möglichen Zukünften gibt es einige, welche aufgrund von Vergangenheit  und Gegenwart wahrscheinlicher sind. Wenn man mit dieser Unschärfe leben kann ist die Nutzung eines Modells legitim.

(philiosophisch) herausfordernder ist der Umgang mit der Diskrepanz von zukünftiger Realität und der Modellabschätzung. Auf den ersten Blick ein No-Go. Aber wenn man auch hier wieder den Ideen des Buddhismus anhängt realisiert man, dass man die Vergangenheit in Modellen erinnert. Diese Funktionsweise unseres Gehirns ist bereits medizinisch nachgewiesen. Aber auch die Gegenwart nehmen wir als Modell wahr. In diesem Moment erleben wir nicht die direkte Wahrnehmung unserer Sinne sondern eine Reduktion und Abstraktion (sonst könnten wir die auf uns einprasselnde Datenmenge gar nicht verarbeiten) auf der Basis unserer Gesinnung, Prägungen und mentaler Muster. Wir nehmen die Realität bereits als Modell wahr!

Dieser Punkt zeigt uns: ja es ist legitim mittels Modellen Predictions zu treffen.

Aus vergangenen und gegenwärtigen Modellen kann man mit gutem Gewissen valide Modelle der möglichen Zukunft ableiten.

Data Scientist – eine neue Rolle ?

Neben Big Data als technologischen Ansatz wird auch die Rolle des Data Scientist immer wieder als neu und cool genannt.

Ich möchte an der Stelle eine Diskussion zur Begrifflichkeit des Data Scientist beginnen. Darum bitte ich, meine folgenden Aussagen nicht als Absolutum, sondern als Startpunkt einer hoffentlich interessanten Diskussion zu sehen.

Zwei Aspekte aus vielen, welche noch folgen werden, sind es heute, die ich ansprechen möchte: Zum einen die Frage, was an der Rolle so neu ist (Business Intelligence, die etablierten Prozesse und die entsprechenden Rollen gibt es ja bereits längere Zeit) und zum anderen die Überlegung ob es sich bei Data Science um eine einzelne Rolle handeln kann.

Bei Data Science handelt es sich nach meinem Empfinden um eine Disziplin, die aus vier einander ergänzenden Rollen besteht. Je nach Unternehmensgröße wird eine Person eine, mehrere oder alle dieser Rollen übernehmen. Ich finde es aber sehr wichtig immer unter der übergeordneten Prämisse von Data Science zu bleiben, selbst wenn man nur eine Rolle inne hat muss man die anderen Rollen tief verstehen. Bei den Rollen handelt es sich um:

  • Data Manager: Das ist eine sehr technische Aufgabe und umfasst es Lösungen zum Sammeln, Transformieren, Speichern, bereinigen und Analysieren von Daten bereitzustellen. Die Veränderung zu bestehenden Aufgaben resultiert aus der technologischen Weiterentwicklung in Form neuer Produkte (z.B. Hadoop, NoSQL, HANA) bzw. der funktionalen Erweiterung bestehender Analysesysteme. Die technischen Möglichkeiten wo/wann analytische Schritte gesetzt werden hat sich erweitert als dass einzelne Schritte im eigenen Rechenzentrum oder aber in der Cloud durchgeführt werden können. So muss der Inhaber dieser Rolle den besten Weg finden, diese Aufgaben effizient, zeitnahe, ohne die Poduktionssysteme zu beeinträchtigen und kostengünstig abzudecken. Das ist also keine neue Rolle sondern eine bestehende Rolle mit einer deutlich angewachsenen Bandbreite.
  • Data Analyst: Der Inhaber dieser Rolle hat als Aufgabe Einsichten in die Daten zu schaffen. Die Aufgabe ist es, die richtigen Fragestellungen mit passenden Methoden, Algorithmen, Mustererkennung und Big-Data Methoden in Verbindung zu bringen. Diese Rolle ist nötig, weil sich das professionelle Umfeld verändert hat. Bis dato wusste der Fachbereich in klassischer Business Intelligence was er wie ausgewertet braucht. Heute, nicht erst mit Big Data ist es so, daß dem Fachbereich vielmehr ein Problem oder eine Frage bewusst ist, für die eine Lösung aus dem umfangreichen Methodenschatz benötigt wird. Das ist eine neue Rolle, die gebraucht wird. Wer aber bisher ein guter BI-Analytiker war, und den Blick über den Tellerrand hatte nimmt die Rolle bereits ein, auch wenn sie noch nicht den Namen hatte.
  • Data Artist ist im Kontext der Analytik eine neue Rolle. Spätestens seit den ersten Big-Data Darstellungen war klar, dass der analytische Output nicht immer ein Report ist. Der Data Analyst hilft dabei aus einem weiten Feld der technisch-optisch möglichen Darstellungsmöglichkeiten die beste für die offenen Fragen zu finden. Im Business Intelligence Bereich beschränkte sich das Thema der Darstellung häufig darauf Reports oder Dashboards schöner erscheinen zu lassen – diese Rolle geht deutlich darüber hinaus.
  • Data Establisher ist eine Rolle, die bestehende Aufgaben erweitert. Der Business Analyst oder Requirements Engineer kennt jetzt schon die Prozesse, das Business sehr gut, häufig aber abgegrenzt auf die konkrete analytische Aufgabe. Aber echte Data Science ist umfangreicher und eine 2-Weg Aufgabe. Einerseits ist darin gefordert in die tiefe der Prozesse zu gehen, sie umfassend zu verstehen aber auch Erkenntnisse der Analytik wieder zurück in den Prozess zu bringen.  Es ist also eine klare Weiterentwicklung einer bestehenden Rolle.

Data Science als Ganzes ist eine neue Disziplin, die aus neuen und erweiterten Rollen unter einem umfassenden Paradigma besteht.